Wert & Preis

Die Wertermittlung einer Immobilie kann entsprechend nicht auf den letzten Cent berechnet werden. Vielmehr ist die Wertermittlung als eine Schätzung zu verstehen, die mittels standardisierter Bewertungsmethoden und unter Berücksichtigung vergleichbarer Verkaufsfälle, Marktbeobachtungen und Erfahrungswerten im jeweiligen Immobilienmarkt abgeleitet wird.  

 

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert wie folgt:

 

Wert: „Ausdruck der Wichtigkeit eines Gutes, die es für die Befriedigung der subjektiven Bedürfnisse besitzt, wie sie sich etwa in seinem Nutzen und in der betreffenden Präferenzordnung des Wirtschaftssubjektes widerspiegelt.“

 

Preis: „bezeichnet den in Geldeinheiten ausgedrückten Tauschwert eines Gutes. Er trägt die Dimension Geldeinheiten pro Mengeneinheit (z.B. Euro pro Stück). Er wird auch als absoluter Preis bezeichnet, im Gegensatz zum relativen Preis, der den Tauschwert eines Gutes in Einheiten eines anderen Gutes ausdrückt. In der Totalanalyse werden häufig alle Preise und Werte in Einheiten eines Gutes, des sog. Numéraire-Gutes, ausgedrückt.“

 

Die Differenz zwischen Wert und Preis liegt hauptsächlich in der Subjektivität begründet. Sofern ein objektiver Kauffall vorliegt, sollten Preis und Wert eines Gutes demselben Betrag entsprechen. Wird die neutrale Preisfindung jedoch durch subjektive Faktoren beeinflusst, so kann es zu Abweichungen zwischen dem Preis und dem Wert eines Gutes kommen. Subjektive Faktoren sind z.B. der Kauf eines Grundstücks durch ein angrenzendes Unternehmens zur Erweiterung der Produktion am Standort.

 

Dies wurde auch in einem Urteil des BGH vom 25. Oktober 1967, AZ. VIII ZR 215/66 festgestellt (Auszug): „Der Preis einer Sache muss nicht ihrem Wert entsprechen. Er richtet sich gerade bei Grundstücken und vor allem, wie hier, bei luxuriösen Villengrundstücken nach Angebot und Nachfrage und wird jeweils zwischen Käufer und Verkäufer ausgehandelt. "Marktpreis" und objektiver Verkehrswert spielen keine entscheidende Rolle, vielmehr sind oft spekulative Momente (Kaufkraft, Geldwert usw.) von erheblicher Bedeutung, häufig auch die persönlichen Vorstellungen und Wünsche der Kaufinteressenten. Der Verkäufer versucht den höchstmöglichen Preis zu erzielen, mag dieser auch "unvernünftig" sein. Der Käufer ist bestrebt, möglichst wenig zu zahlen, mag dabei das Grundstück auch "verschenkt" sein.“